Zivilschutzregion Arbon erhält Sandsackabfüllanlage

Effizienz ohne Strom

presse

Acht Personen sind in der Lage, mit der neuen Abfüllanlage der Zivilschutzregion Arbon ohne Strom stündlich 900 Sandsäcke abzufüllen.

Künftig ist die Zivilschutzregion Arbon optimal auf Hochwasserereignisse vorbereitet. Mit einer neuen Sandsackabfüllanlage für 28 000 Franken können stündlich 900 Säcke abgefüllt werden,  die an Lager mindestens fünf Jahre haltbar sind.

Gemäss den statistischen Werten muss alle zehn Jahre mit einem erhöhten Pegelanstieg des Bodensees gerechnet werden. Unser Alltagsleben lässt uns oft vergessen,dass uns Naturgewalten vor grosse Herausforderungen stellen. Das letzte Hochwasser des Bodensees liegt mittlerweile 13 Jahre zurück (1999) und ist in manchen Köpfen bereits vergessen.

Anlage reduziert Personalkosten Nicht so bei Major Daniel Wendel, Kommandant der Zivilschutz region Arbon mit Arbon, Egnach, Roggwil und Horn: «Damals mussten die Sandsäcke mühsam per Hand abgefüllt werden. Dabei wurden extrem viele Ressourcen eingesetzt.» Pro Stunde konnten im Durchschnitt mit acht Schutzdienstpflichtigen rund 150 Sandsäcke abgefüllt werden. Die Vorlaufzeit für solch ein Ereignis war entsprechend lang, und es mussten sehr viele Zivilschützer aus der Wirtschaft abgezogen werden, was enorme Kosten verursacht hat. Deshalb beschlossen die Behördenvertreter der Zivilschutzkommission der Region Arbon, eine Sandsackabfüllanlage anzuschaffen.

Ohne Strom überall einsetzbar Mit der neuen – von der Arboner Firma Aerne Engineering AG entwickelten und der Hauptwiler Firma Mabilec AG gebauten – Sandsackabfüllmaschine «Sand-Zack» können acht Schutzdienstpflichtige pro  Stunde im Durchschnitt rund 900 Sandsäcke abfüllen. «Das heisst», so Daniel Wendel, «dass wir mit weniger Ressourcen bedeutend mehr erreichen und somit bestmöglichst auf eine künftige Hochwassersituation vorbereitet sind.» Ein weiterer Vorteil sei, dass die umweltfreundliche Maschine ohne Strom laufe und somit überall positioniert werden könne. Die Pioniere der Zivilschutzregion Arbon werden in den kommenden Wiederholungskursen gezielt auf die Bewältigung eines allfälligen Hochwasserereignisses geschult. Die neue Sandsackabfüllanlage spielt dabei eine zentrale Rolle und muss durch jeden Pionier bedient werden können. Ebenfalls soll laut Daniel Wendel die Zusammenarbeit mit der Stützpunktfeuerwehr Arbon weiter ausgebaut werden.

Autor: eme

Quelle: Felix Nr. 17/2012, http://www.felix-arbon.ch

 

Zu Unrecht für Dienst aufgeboten


VersehentlichZS

Versehentlich im Zivilschutz: Nicht alle, die der Kanton zu Wiederholungskursen und Einsätzen aufgeboten hat, hätten gehen müssen. (Bild: Archivbild: Nana do Carmo)

Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Zivilschutz hat Folgen: Der Thurgau überprüft die Hälfte seiner Schutzdienstpflichtigen darauf, ob sie überhaupt noch für den Zivilschutz aufgeboten werden dürfen.

CHRISTOF WIDMER

FRAUENFELD. Nicht alle, die in den letzten Jahren in den Zivilschutz einrückten, wären dazu verpflichtet gewesen. Seit Januar hat allein der Thurgau 13 Zivilschutzangehörige kurzfristig aus der Dienstpflicht entlassen müssen. Dutzende weitere dürften folgen. Der Grund ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gegen die bisherige Praxis von Bund und Kantonen. Die Richter legen ein seit 2004 geltendes Bundesgesetz anders aus als die Zivilschutzbehörden.

Laut diesem Gesetz müssen Dienstpflichtige, die 50 Tage Militärdienst geleistet haben und dann etwa aus gesundheitlichen Gründen entlassen werden, nicht mehr in den Zivilschutz. Vor 2004 musste die restliche Dienstpflicht im Zivilschutz abgeleistet werden. Das Problem: Bund und Kantone waren der Auffassung, dass das neue Gesetz nicht rückwirkend gilt. Wer also noch unter altem Recht in den Zivilschutz gekommen ist, musste bleiben, selbst wenn er nach dem neuen Gesetz nicht schutzdienstpflichtig ist.

Wehrgerechtigkeit verletzt

Das verletze die Wehrgerechtigkeit, urteilt das Bundesverwaltungsgericht zur Klage eines betroffenen Zürchers. Die Folge: Die Kantone müssen in ihren Zivilschutzmannschaften nach jenen Leuten suchen, die zu Unrecht eingeteilt worden sind.

Das sei gar nicht so einfach, sagt Markus Bürgi, Leiter der Abteilung Zivilschutz im Thurgauer Amt für Bevölkerungsschutz und Armee: «Niemand weiss, wie viele Militärdiensttage jemand geleistet hat.» Denn die Daten entlassener Soldaten sind beim Bund teilweise gar nicht mehr erfasst. Nur der einzelne Dienstpflichtige weiss, was er geleistet hat. Die Daten stehen in seinem persönlichen Dienstbüchlein.

Sicherheitshalber überprüft der Kanton jetzt alle Zivilschutzangehörigen ab Jahrgang 1985 und älter. Das sind 1150 der gut 2000 Schutzdienstpflichtigen. Sie erhalten mit dem Aufgebot zum WK ein Informationsschreiben. Wenn sie nachweisen können, dass sie mehr als 50 militärische Diensttage geleistet haben, können sie das dem Amt für Bevölkerungsschutz und Armee melden. Das sei eine einfache Lösung ohne grosse Kosten, sagt Bürgi.

Unter 10 Prozent?

Wie viele Zivilschutzangehörige der Kanton wegen des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts entlassen muss, ist laut Bürgi schwer abzuschätzen. Die Tatsache, dass dies bei 13 von 200 bereits überprüften der Fall war, deutet aber darauf hin, dass es unter 10 Prozent sein könnten.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz rechnet mit keinen Problemen für den Zivilschutz. «Wir erwarten quantitativ keine grossen Auswirkungen», sagt Informationschef Kurt Münger. Zu Problemen könne es aber kommen, wenn Kader kurzfristig aus der Dienstpflicht entlassen werden müssen. Das beurteilt Bürgi ähnlich (Kasten).

Offen bleibt die Frage, ob Zivilschützer, die zu viel Dienst geleistet haben, den Bund auf «Schadenersatz» verklagen könnten. Solche Fälle seien bisher nicht bekannt, sagt Münger.

Quelle: Tagblatt Online, 14. Februar 2012,http://www.tagblatt.ch

Problematisch, wenn es Kader trifft

Die Leistungen des Zivilschutzes seien durch das Urteil nicht gefährdet, sagt Markus Bürgi, Leiter der Abteilung Zivilschutz beim Kanton. Problematisch könne es aber werden, wenn in einer der zwölf Zivilschutzregionen Kaderleute plötzlich aus dem Dienst verabschiedet werden müssten. In diesen Fällen hofft der Kanton, dass die Betreffenden so lange freiwillig Dienst leisten, bis eine Nachfolge gefunden ist.

Auch Ursin Camenisch, Kommandant der Zivilschutzregion Frauenfeld, setzt darauf: «Kader in Schlüsselpositionen sind überdurchschnittlich motiviert.» Freiwillige Verlängerungen habe es in anderen Fällen gegeben. Bleibt der Ärger: «Es ist erstaunlich, dass etwas, das auf Bundesebene ausgelöst wurde, administrativ an uns hängen bleibt», sagt Camenisch zur Suche nach zu Unrecht Eingeteilten.

Kleinere Zivilschutzregionen haben bezüglich der Kader bereits den Überblick: «Bei uns sind keine Kader betroffen», sagt der Romanshorner Kommandant Harry Trösch. (wid)

Quelle: Tagblatt Online, 14. Februar 2012, http://www.tagblatt.ch

Rettung von Kulturgütern

In Friedenszeiten sind Kulturgüter vor allem durch Natur und Technik gefährdet. Damit diese in einem Notfall gerettet werden können, stellt der ZivilschutzSchutzmassnahmen her. 

 

Kult 

Rolf Kellenberg (rechts) mit seinem Team. Bild: Sascha Wehinger

Im Stadtarchiv Arbon lagern Schriften aus dem frühen Mittelalter bis zur heutigen Zeit. Sie werden als Einzelstücke der Zeitgeschichte eingestuft. Damit diese und weitere Kulturgüter in einem Notfall gerettet werden können, ist unter anderem eine Spezialistengruppe des Zivilschutzes zuständig. Rolf Kellenberg ist der Zugführer des fünfköpfigen Teams. Der Kulturgüterschutz der Zivilschutzregion Arbon, der die Gemeinden Arbon, Egnach, Horn und Roggwil angehören, muss den Schutz der wichtigen Kulturgüter in der Region koordinieren. Als Kulturgüter bezeichnet man bewegliche und unbewegliche Güter, die für das kulturelle Erbe von grosser Bedeutung sind. In der Region gilt beispielsweise das Schlossareal in Arbon als unbewegliches Gut, das Stadtarchiv von Arbon als bewegliches Gut. Diese Kulturgüter werden in Friedenszeiten vor allem durch natur- und technikbedingte Gefahren bedroht, denen man mit geeigneten Schutzmassnahmen entgegentreten muss.

Evakuationsplan für Kulturgut  

«Im Moment inventarisieren wir die Kulturgüter der Region», sagt Rolf Kellenberg, «was eine interessante, aber auch aufwendige Tätigkeit ist.» Seit einigen Wiederholungskursen tragen er und sein Zug dieses Wissen zusammen, fotografieren Objekte und erstellen Informationskarten, auf denen verzeichnet ist, wo sich die Kulturgüter befinden und welche Gefahren an dieser Stelle drohen. «Wir sind im Einzelfall dazu übergegangen, Evakuationspläne zu erstellen», erklärte er. Wenn dieser Schritt abgeschlossen ist, möchte der Zivilschutz mit der Feuerwehr und der Polizei in Kontakt treten, damit auch diese wissen, welche Güter aus Sicht des Kulturgüterschutzes schützenswert sind.

«Steckt Herzblut drin» 

Das Stadtarchiv Arbon müsste in einem Notfall innerhalb weniger Stunden evakuiert werden. Auf die Frage, ob das mit dem kleinen Team machbar sei, antwortet Kellenberg: «Mit fünf Personen ist das in der angestrebten Zeit nicht möglich. Aber unser Auftrag beinhaltet auch vor allem den organisatorischen Teil. Polizei und Feuerwehr würden in einem Schadensfall auch mithelfen, damit das schnell vonstatten geht.»

Rolf Kellenberg, der in der Region als Archivar tätig ist, wird sich im kommenden Jahr aus dem Zivilschutz zurückziehen, möchte aber seinem Nachfolger mit Rat zur Seite stehen. «Ein bisschen Herzblut steckt da schon drin», gibt er leicht wehmütig zu, «aber das Wissen, dass ich jetzt eine gute Grundlage geschaffen habe, lässt mir den Abschied nicht allzu schwer fallen.»

 © Sascha Wehinger, Medienverantwortlicher Zivilschutzregion Arbon
/ Arbon: 30. September 2009